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  • AutorenbildSanni & Gerri@

Bogotá: Kunst, Kultur & buntes Treiben

Nach den abenteuer- und actionreichen Wochen in Ecuador geht es für uns von Quito nach Bogotá. Der Flug ist günstig. Kolumbien lockt mit wärmerem Wetter und alle Mitreisenden, die schon dort waren, kommen stets kräftig ins Schwärmen, wenn sie von Kolumbien erzählen. So stehen wir voller Vorfreude am Check-In Schalter, bereit für Land Nummer zwei unserer Reise. Nach Vorlage aller Dokumente bittet der nette Herr am Schalter uns um unser Weiterreise-Ticket. Wie bitte? Vielleicht nur ein Verständnisproblem aufgrund unserer immer noch eher rudimentären Spanischkenntnisse. Welche Weiterreise? Na das Ticket wieder raus aus Kolumbien. Ohne Weiterflug, kein Zutritt! Bei der spontanen Entscheidung für Kolumbien haben wir leider völlig überlesen, dass die Einreise zwingend einen Nachweis zur Weiterreise erfordert. Egal wohin; Hauptsache nach spätestens 3 Monaten wieder raus.

Die Einreisedokumente fehlen und die Zeit wird knapp

Der Blutdruck steigt rapide! Also samt Gepäck Kommando zurück, raus aus dem Check-In Bereich und vorbei an der mittlerweile meterlangen Schlange der anderen Reisenden. Die Lösungsidee kommt uns relativ schnell. Wir brauchen ein sogenanntes Onward Ticket. Über verschiedene Online-Anbieter, kann man sich ein Flugticket reservieren, welches dann als Nachweis am Flughafen dient. Es ist eine echte Flugreservierung aber KEIN echtes Flugticket zum Fliegen! Man leiht es sich sozusagen für 48 Stunden oder für 2 Wochen aus und gibt es dann automatisch zurück. Soll super funktionieren.

Unser nächstes Problem: Kein Internet um das Ticket zu kaufen. Das Flughafen WIFI ist eine Katasrophe und über unsere Sim-Karten haben wir auch extrem schlechten Empfang. Gerriet passt aufs Gepäck auf und Sanni sprintet samt Handy aus dem Flughafen heraus um vor der Tür endlich Empfang zu finden. Wir entscheiden uns spontan für einen der unzähligen Anbieter und buchen unsere virtuelle Weiterreise mit einem Leih- Ticket nach Panama. Problem gelöst? Nein! Die Bezahlung per Paypal stürzt ständig ab und der Schweiss steht uns auf der Stirn. Viel Zeit bleibt uns nicht mehr, bis der Check-In Schalter schließt. Kurz vor knapp, klappt es dann endlich und wir erhalten innerhalb weniger Minuten unsere Tickets per Email. Kostenpunkt 17 € pro Person. Erneut in der Check-In Schlange eingereiht, werden wir netterweise wieder direkt an den Schalter zum selben Mitarbeiter gerufen. Das wir urplötzlich ein Flugticket nach Panama haben, scheint ihn nicht zu wundern. Ebensowenig wie die Tatsache, dass Sanni einen Direktflug ergattert hat und Gerriet Stop-Over New York City fliegt.

Egal. Wir bekommen unseren Boardingpass.

Kolumbien? Das ist doch total gefährlich.

In der Recherche vor unserem Sabbatical hatten wir Kolumbien als Reiseland nie ernsthaft in Betracht gezogen. Wahrscheinlich wegen der ganzen Schlagzeilen in den Nachrichten über Drogen, Kartelle, FARC und ELN Guerilla. Als wir uns letztlich mitten in Bogota wiederfinden, wissen wir auch noch nicht, wie wir die Situation einschätzen sollen. Unser Uber schlängelt sich durch die dicht an dicht fahrenden Wagen über einen riesigen Highway dem Zentrum entgegen. Lateinamerikanische Musik und Hupen überall. Die Straßen nahe unserem Ziel, dem Altstadtviertel La Candelaria, sind gesäumt von den unzähligen Ständen fliegender Händler. Klamotten, Essen, Möbel, Technik. Hier wird alles auf der Strasse verkauft. Vor einigen Jahren noch soll La Candelaria eine der sogenannten No-Go-Areas gewesen sein. Ein Stadtteil also, dessen Sicherheitslage so prekär ist, dass ein Besuch nicht empfehlenswert ist. Ohne die Schwärmerei anderer Reisender hätten wir das Land wohl eher nicht betreten. Auf der Suche nach einzigartigen Momenten - ohne das Leben zu riskieren - stürzen wir uns ins Abenteuer.

Kurz vor Mitternacht kommen wir am Flughafen in Bogotá an. Während wir am Ausgang auf unseren Shuttle vom Hostel warten wird uns klar, dass diese Stadt eine ganz andere Hausnummer als Quito ist. Überall ist es brechend voll, es wird gehupt was das Zeug hält und alle Menschen plappern und schreien laut durcheinander.

Für die erste Übernachtung haben wir uns ein Hostel in der Nähe des Flughafen ausgesucht, damit wir

Nachts nicht durch Bogotá fahren müssen. Es heisst, dass man sich nach Einbruch der Dunkelheit besser nicht mehr draussen aufhalten sollte. Und tatsächlich. Das Hostel liegt in einer Gegend mit vielen kleinen Straßen, die alle gleich aussehen. Kleine Häuser drängen sich dicht an dicht und keine Menschenseele Seele ist auf der Strasse zu sehen. Als Gerriet noch eine Gute-Nacht-Zigarrette rauchen will, kommt der Hostel Besitzer mit vor die Tür und achtet darauf, dass er nicht alleine vor der Tür steht. Am nächsten Morgen sieht es schon ganz anders aus. Es herrscht munteres Treiben auf der Straße. Zeit für ein typisches kolumbianisches Frühstück. Hier zeigt sich mal wieder, wer kein Spanisch kann, muss essen, was auf den Tisch kommt.




Traue keinem Taxi

Gestärkt geht es danach weiter zu unserem Ziel, dem ältesten Viertel Bogotas „La Candelaria“. Für weitere Strecken nutzen wir ab sofort nur noch Uber und keine Taxis. Hintergrund ist, dass es in den grossen Städten Kolumbiens viele unregistrierte Taxen gibt, die optisch nicht von den offiziellen zu unterscheiden sind. Diese werden angeblich immer mal wieder genutzt, um Touristen um ihre Wertsachen zu erleichtern. Die Masche: Der Fahrer bringt einen in extrem abgelegene, düstere Gegenden und verlangt dann die Herausgabe der Sachen. Wir gehen auf Nummer sicher. Dank Uber kommen wir sicher und einfach von A nach B: Alle Fahrer sind registriert, man kann die Fahrt im Navigationssystem live verfolgen, es gibt eine Sicherheitsfunktionen, die bei Gefahr Ton & Bild vom Handy aufnimmt. Der Fahrpreis wird schon bei der Buchung mitgeteilt und die Bezahlung erfolgt automatisch per Kreditkarte. Günstiger ist es in der Regel auch. Allerdings ist Uber in Kolumbien offiziell verboten. Das stellt aber kein ernsthaftes Problem dar.

Trotz der „möglichen Gefahren“ starten wir direkt nach der Ankunft in unserem schönen Hostel “Arche Noah” unsere erste Erkundungstour auf eigene Faust. Wir schlendern von La Candelaria, dessen hübsche alte Häuser den steilen Hang säumen, hinunter zum Plaza el Bolívar, besuchen den kleinen Blumenmarkt und lassen uns einfach durch die belebten Straßen und Plätze der Stadt treiben. Ohne festgelegte Route schlendern wir automatisch an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei: Regierungssitz von Iván Duque, das Goldmuseum, die National Galerie, uvm. Es ist tagsüber angenehm warm in Bogotá. Allerdings sagen viele Einheimische:

Hier ist jeden Tag Herbst. Das ganze Jahr, für immer und ewig.

Kommt die Sonne raus, wird es auch mal richtig heiß. Meistens ist es aber leicht bewölkt. Nachmittags regnet es oft kurz und Nachts ist es kühl. Zwischen den flachen alten Häusern in unserem Viertel wirkt Bogotá wie eine kleine Stadt. Von den 7,5 Millionen Einwohnern ist hier nichts zu spüren. Erst wenn man in den Gassen etwas weiter nach oben geht, reicht die Sicht über die vielen Hochhäuser, die sich bis zum Horizont erstrecken. Eine Fahrt auf den Monserrate, den Berg direkt östlich des Stadtzentrums von Bogotá, bietet noch beeindruckendere Ausblicke auf die Millionenstadt. Wir haben diese aber aufgrund des hohen Besucherandrangs ausgelassen.


 

Say it & Spray it - Eine Graffiti Tour durch Bogotá

Eine schöne Art sich mit Städten vertraut zu machen sind Free-Walking Touren. Wir entscheiden uns diesmal für die Bogota Grafitti Tour. Die Graffiti-Künstler und ihre Street-Art Werke sind hier weltberühmt und fest im Stadtbild etabliert. Heute können viele Sprayer sogar tagsüber ihrer Arbeit nachgehen – sofern sie die Erlaubnis der Hauseigentümer oder der Stadt haben. Das war nicht immer so. Dem vorausgegangen sind mehrere Fälle, in denen die Polizei Graffiti-Künstler sogar erschossen hat. Unser Guide erzählt uns von dem letzten Fall im Jahr 2011, der eine entscheidende Wende verursacht hat. Ein 16-jähriger Künstler ist unter einer Brücke am sprayen. Als er die Polizei sieht, läuft er weg. Die Polizisten schießen ihm in den Rücken. Bei der späteren Untersuchung sagen sie aus, es habe sich um einen Raub gehandelt. Eine Wochen lang war das die anerkannte Version, aber dann meldeten sich die Eltern des Jugendlichen zu Wort und mobilisierten die Graffiti-Community. Der Protest wurde im Laufe der Zeit so stark, dass der Fall schließlich vor Gericht kommt. Aber erst nach fast 10 Jahren werden die Täter tatsächlich verurteilt. Polizei Gewalt ist leider noch immer ein Thema. Zuletzt wurde bei einer Demonstration 2019 ein Jugendlicher aus nächster Nähe erschossen. Ein Graffiti in der Nähe des Tatorts erinnert an den 18 jährigen Dilan Cruz, der zum Symbol für friedliche Proteste wurde. Bemerkenswert ist, dass die Menschen trotz der Gefahr weiterhin für Ihr Recht auf die Straße gehen. So zuletzt im März 2021, um gegen eine Steuererhöhung in Pandemie-Zeiten zu protestieren, die vor allem die Unter- und die Mittelschicht um ihre Existenz gebracht hätte.

Mittlerweile kommen die Behörden den Graffiti-Künstlern entgegen: Bestrafungen werden gelockert und legale, von der Stadt geförderte Projekte für Sprayer werden ins Leben gerufen. In der Altstadt sind heute die meisten Wandbilder und Tags eher unpolitisch, doch an vielen Straßenzügen Bogotás wird noch immer offen gesprayte Kritik geübt – an korrupten Politikern, an der Unterdrückung der Ureinwohner, an der Gewalt in Kolumbien. Das offizielle OK für die Sprayer stellt gleichzeitig auch Nachteile dar. Die Regierung schränkt die Flächen für künstlerische Graffiti ein. Die Vorstellung, dass künftig die Stadt entscheidet, was künstlerisches Graffiti ist und was nicht, geht vielen in der Szene gegen den Strich.


Die Sprayer sind oft in Kollektiven organisiert, zum Beispiel dem bekannten Graffiti-Kollektiv APC. Sie sehen in den Graffitis die Macht des Dialogs – ähnlich wie das Radio, TV oder große Werbeagenturen. Deshalb stehen einige Sprayer dem Trend darüber, dass mit Touristenführungen über Graffiti Geld gemacht wird, skeptisch und ablehnen gegenüber. Die Befürchtung „Dann malt jeder was er will oder was er soll – ohne sich Gedanken darüber zu machen, was die Aussage dahinter sein soll.”

Auch in anderen Städten Kolumbiens gibt es eine ausgeprägte Graffiti-Kultur und die Collectivos sind landesweit aktiv. Es heißt, dass es in jeder Stadt wiederum andere Einflüsse gibt. Wir sind gespannt, ob wir Werke der Bogotá Künstler erkennen.

 

Museo Botero Wenn man Kolumbien besucht kommt man an einem Namen ganz sicher nicht vorbei: Fernando Botero. Ein kolumbianischer Maler und Bildhauer, der zu den bekanntesten bildenden Künstlern Lateinamerikas zählt. International ist er besonders wegen seines sehr charakteristischen, als „Boterismo“ bezeichneten Stils bekannt. Botero visualisiert oft das moderne Leben in Lateinamerika. Ein weiteres Thema seiner Arbeit sind Gräuel wie die Gewalt des Drogenkriegs in seinem Heimatland. Seine Porträts und Skulpturen stellen Menschen mit übertriebenen, überdimensionierten Körperproportionen dar. Ein großer Teil seiner Werke kann als politische und gesellschaftliche Kritik verstanden werden, obwohl er selbst satirische Absichten durch den Gebrauch rundlicher Formen abstreitet. Geboren wurde der Künstler unter dem Namen Fernando Botero Angulo am 19. April 1932 in der Stadt Medellín. Am Anfang seiner Karriere ist Botero viel gereist. Er zog zunächst in die kolumbianische Hauptstadt Bogotá und lebte danach in mehreren europäischen Städten. (Quelle: artnet.de)

Um mehr über die Werke Boteros zu erfahren, besuchen wir das Museo Botero.

Das lohnt sich wirklich. Das Museum befindet sich in einem sehr schönen kolonialen Herrenhaus, das bis 1955 als Erzbistum der Stadt diente. Fernando Botero spendete seine Kunstsammlung von 208 Werken, die im Museum auf zwei Ebenen ausgestellt sind. 123 der Exponate hat Botero selbst erschaffen, während die übrigen 85 von internationalen Künstlern stammen. Darunter finden wir Meisterwerke von Marc Chagall, Pablo Picasso, Joan Miró oder Claude Monet. Im Vordergrund aber steht natürlich die Kunst von Botero. Sie hebt sich durch die spezielle Charakteristik stark von den anderen Künstlern ab. Die pummelige Mona Lisa gefällt uns besonders gut. Auch die wie Ballons aufgeblähten Skulpturen von Tier uns Mensch finden wir klasse.


Nachdem seine Werke Anfangs nur in Kolumbien Beachtung fanden, haben sie den Sprung auf andere Kontinente geschafft. Heute sind Skulpturen Boteros in Berlin, Bamberg, Singapur oder in Vaduz, der Hauptstadt von Liechtenstein, ausgestellt. So sind die Kolumbianer zurecht stolz auf ihren Künstler.

Boteros Arbeit hat ihn gelegentlich aber auch in Schwierigkeiten gebracht. Beispielsweise als er den Tod Pablo Escobars im Jahr 1993 in einer Reihe von Bildern namens „La Muerte de Pablo Escobar“ thematisierte. Klar, dass das bei Leuten die Escobar als Volkshelden sahen, nicht gut ankam. Weshalb Botero zu seiner eigenen Sicherheit eine Weile aus Kolumbien fliehen musste. 2005 begann er mit der Produktion einer Reihe von fast neunzig Gemälden, die die Folter von Gefangenen im Internierungslager Abu Ghraib westlich von Bagdad darstellen. Botero sagt, er habe Hasspost für die Serie bekommen und sei beschuldigt worden, "antiamerikanisch" zu sein. (Quelle: Greenland.com)

 



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