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  • AutorenbildSanni & Gerri@

Der Lost City Trek - Tag 1: Wie kann denn bitte eine Stadt verloren gehen?

Aktualisiert: 23. Jan. 2022

27. November


Kolumbien ist riesengroß. Soviel können wir nach fast 3 Wochen in diesem Land schon mal festhalten. Deshalb gönnen wir uns auch unseren ersten Inlandsflug. Ziel: Santa Martha eine Küstenstadt im Norden. Hier ist unser Ausgangspunkt für ein ganz besonderes Abenteuer: Die Suche nach der verlorenen Stadt, die Ciudad Perdida.

Von dieser mehrtägigen Wanderung durch den dichten Dschungel der Sierra Nevada de Santa Marta, haben wir wieder einmal von anderen Reisenden erfahren. Die Beschreibung lautet im Wesentlichen immer gleich: Eines der besten Erlebnisse überhaupt aber extrem hart!

Die Lost City ist über keine Straße zu erreichen und es gibt zum Glück auch keine Möglichkeit mehr sich per Hubschrauber einfliegen zu lassen. Nachdem Studien zeigten, dass dies die archäologische Bausubstanz der antiken Stätte schädigt, wurden im Jahr 2010 Starts und Landungen von Hubschraubern für touristische Zwecke verboten. Will man die 169 in den Berghang gehauenen Terrassen der historische Stätte bewundern, bleibt einem also nur der mehrtägige Fußmarsch durch den Regenwald und ein finaler Aufstieg über etwa 1.200 Steinstufen.

Mi dem Jeep fahren wir zum Startpunkt in einem Restaurant im Dorf Machete, auf 120 m. Hier bekommen wir von unserem Guide Jhon und Übersetzer Andres ein erstes Briefing über den Verlauf unserer 4 tägigen Wanderung und stärken uns mit einem Mittagessen für die erste Etappe.

Während wir noch lecker speisen, kommen die ersten Teilnehmer einer anderen Gruppe von der Wanderung zurück. Ihr Anblick ist teilweise beängstigend. Wir unterhalten uns kurz mit einer Deutschen. Sie ist völlig fix und fertig, sieht irgendwie sehr nass aus obwohl die Sonne scheint und ihre Beine sind mit unzähligen, riesigen Moskitostichen übersäht. Na mal gut, dass wir ausschließlich lange Hosen mit haben. Sie übergibt Sanni ihren Wanderstock mit den Worten: “Nimm ihn, er wird dein Leben retten“. Außerdem bekommen wir von ihr noch den wertvollen Tipp, nicht nur unsere Rucksäcke von außen mit unserem Regen Cover zu schützen, sondern auch den gesamten Inhalt in einzelne Müllbeutel zu verpacken. Sie hatte dies beim Aufbruch nicht getan und so hatte sie nach dem ersten Regenschauer an Tag 1 während der gesamten Wanderung keinerlei trockene Kleidung mehr. Uns beschleicht eine erste Vorahnung was uns bevorsteht.

 

Warm Wandern durchs Guerilla-Gebiet

Etappe 1: 10 km, ca. 4 Stunden wandern. Höhe 450 mNN.

Hört sich doch machbar an. Voll motiviert, im Gefühl bestens präpariert zu sein, starten wir also gegen 13:00 Uhr zur ersten Etappe. Ziel ist das Camp Casa Adan. Schon nach wenigen Metern kommt Andres zu uns und bietet uns zusätzlich zu unseren Regencovern einen weiteren grossen Müllsack für unseren Rucksack an. Er meint das sei sicherer. Wir nutzen diese gerne und tatsächlich, kurze Zeit später fängt es heftig an zu regnen. Wobei die Guides uns versichern, dass dies noch gar nicht als Regen zähle. Auf eine Regenjacke im Gepäck haben wir übrigens bewusst verzichtet, da es dafür viel zu warm ist und so lassen wir uns einfach komplett durchnässen und wandern tapfer weiter bergauf. Nach ca. einer Stunde kommt dann auch schon wieder die Sonne raus. Was aber nicht bedeutet, dass wir dadurch trocknen. Wir schwitzen weiter munter vor uns hin. Das trübt die wunderbaren Ausblicke auf die umliegenden Berge aber keinesfalls.

In der Pause mit Blick über die Weite der Sierra erfahren wir von Jhon, das die gesamte Region von der Regierung Kolumbiens offiziell als Indigenenland deklariert ist. Dennoch breitet sich die Erschließung durch Siedler, die rund um die Sierra Nevada wohnen, weiter aus. Die Indigenen sind so gezwungen, sich immer weiter in die Berge zurückzuziehen. Außerdem erzählt er uns aus der Zeit als der Großteil der Sierra Nevada noch unter Kontrolle der gefürchteten Guerillagruppe FARC stand. Bis weit in die 2000er Jahre gab es auf dem gesamten Weg zur Ciudad Perdida noch FARC-Kontrollpunkte. Damals wurden „gewisse Absprachen“ zwischen den Tourenführern und der Guerilla getroffen, die den Touristen ermöglichten die Kontrollpunkte unbehelligt zu passieren. So herrschte beispielsweise ein strenges Foto- und Videoverbot auf dem gesamten Weg um die Mitglieder der FARC anonym zu halten. Im Jahr 2003 wurde dennoch eine Gruppe von acht ausländischen Touristen und ihr Reiseleiter auf dem Weg nach Ciudad Perdida von der Guerillagruppe ELN entführt und erst drei Monate später freigelassen. Nach dem Vorfall wurde der Zugang zur Ciudad Perdida für die Öffentlichkeit gesperrt. Erst seit 2005 durften Touristen die antike Stätte wieder besuchen, nachdem das Militär geschickt wurde um die Sicherheit der Wanderungen zu gewährleisten. 2016 wurde der Abschluss eines endgültigen Waffenstillstand zwischen FARC, ELN und den Vertretern der kolumbianischen Regierung bekanntgegeben. 2017 haben die FARC dann ihre Waffen niedergelegt. Die Sicherheitslage hat sich laut Jhon, der damals als junger Koch arbeitete und beim Beginn der Entführung als Augenzeuge sogar selbst im Camp war, deutlich entspannt, Er versichert uns, dass unser Besuch der Ciudad Perdida heute ohne Bedenken möglich und sicher ist. Warum beschleicht uns dennoch die Vermutung, dass es „gewisse Absprachen“ zwischen „gewissen Gruppen“ auch unter Beteiligung der Regierung auch heute noch gibt.

Nach einer schon recht bergigen und steinigen Wanderung erreichen wir gegen 17:00 Uhr, als erste Gruppe, das Camp. Die frühe Ankunft ermöglicht uns die freie Wahl der simplen aber ordentlichen und mit einem Moskitonetz umhüllten Stockbetten. Direkt neben dem Camp gibt es einen Fluss mit einem Wasserfall an dem wir baden gehen dürfen. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Die nassen Sachen hängen wir hoffnungsvoll auf die Wäscheleinen und ab gehts zum Wasserfall. Nach einigen Überwindungsängsten schafft sogar Sanni den waghalsigen Sprung von der Klippe in den tosenden Wasserfall und wir genießen das eiskalte klare Wasser.

Unser anschließendes Abendessen, sowie alle weiteren Mahlzeiten der kommenden Tage, bereitet unser eigener Koch David zu. Wir bekommen köstlichen frischen Fisch serviert und genießen, in unseren schönen trockenen Klamotten, ein eiskaltes Anlege-Bier. Bereits um 20:00 Uhr liegen wir im Bett und haben überraschenderweise keinerlei Einschlafschwierigkeiten.

Fortsetzung folgt…

 

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