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  • AutorenbildSanni & Gerri@

Filandia; im Kaffeedreieck Kolumbiens

18. bis 23. November

Nach der Wüste gehts für uns ins Grüne. Nichts verkörpert wohl so sehr das kolumbianische Bild, wie die üppigen grünen Hügel der Zona Cafetera. Die Landschaft ist malerisch und von den saftig grünen Bergen geprägt. Da sie sich über drei verschiedene Regionen erstreckt, wird sie auch gerne Kaffeedreieck (Eje Cafetero) genannt. Wir entscheiden uns für die Region Quindío. Der bekannteste und beliebteste Ort in dieser Region ist Salento. Die kleine Gemeinde erfreut sich laut unserer Recherchen immer größerer Beliebtheit bei Touristen, weil man von dort aus am besten ins Valle de Cocora gelangt. Dort wollen wir zwar auch hin, aber bei “bekannt und beliebt“ wittern wir schnell eine Touristenhochburg. Deshalb entscheiden wir uns für das, vermeintlich im Schatten von Salento stehende Dorf Filandia.


Was uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar ist: Während die Busse trotz der kolumbianischen Gelassenheit relativ pünktlich abfahren, sind die online angegebenen Fahrzeiten sehr optimistisch. Was wir aber wissen: es wird definitiv eine lange Fahrt. Villavieja - Neiva - Armenia - Filandia. Insgesamt 355 km. Wir starten also morgens um 7:00 h und kommen abends um etwa 20:30 h an. Da es ja in allen Reiseführern heißt, dass man nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf den Straßen sein sollte, ist uns etwas mulmig zu mute. Es klappt aber alles wunderbar und um unsere Sicherheit müssen wir uns hier absolut keine Sorgen machen.


Und unser Riecher ist richtig, Filandia ist wirklich ein Träumchen von einem Ort der dem berühmten Nachbarn in nichts nachsteht, wie wir später während unseres Ausflugs ins Valle de Cocora feststellen werden. Wir genießen die berühmten malerischen Ausblicke der Region. Das Dorf selber ist der Inbegriff von Gelassenheit. Lärm und Hektik Fehlanzeige. Nur am Wochenende ist mal etwas mehr los, wenn die Kolumbianer, schick herausgeputzt, zum Tagesausflug anrücken. Hier genießen wir die wunderschöne bunte Architektur und einen wirklich zauberhaften Charme. Es gibt ausreichend, richtig gute, Restaurants und sehr schöne geschmackvolle Läden. Sanni ist kurz davor Schuhe zu kaufen, kann sich aber im letzten Moment beherrschen. Und es gibt sogar einen kleinen Weihnachtsmarkt. Hier essen wir (Sanni zum ersten Mal überhaupt) wirklich richtig, richtig leckere Churros. Eine echte Kalorien-Sünde aber mit Karamell- und Schokosoße ist der frittierte Teig einfach zu gut!

Auch unser Hostel ist wieder super. Wir sind die einzigen Gäste, wohnen bei Francia und ihrem Sohn Jhonny. Jhonny`s Freundin Tina ist Deutsche und so unterhalten wir alle uns sehr nett auch wenn es mit dem Spanglish mal schwieriger wird. Von den Dreien bekommen wir auch tolle Empfehlungen. Wie zum Beispiel unsere Fahhradtour zu einer kleinen, feinen Kaffeefarm oder unbedingt einmal Tejo spielen zu gehen. Dazu später mehr. Insgesamt fühlen wir uns in Filandia einfach super wohl, was dazu führt das wir Francia nicht nur einmal fragen:

Es posible una Noche mas?
 

Wir machen unseren eigenen Kaffee!

Da Jhonny Downhill-Mountainbike Profi ist, in seiner Altersklasse der drittbeste Fahrer Kolumbiens, liegt es nah, dass er in seinem Hostel auch Mountainbikes vermietet. Wir nutzen diese um damit zu einer der vielen Café Fincas der Region nach Quimbaya zu fahren. Auf weitestgehend unbefestigten Straßen, fahren wir vorbei an malerischen Kaffefarmen mit gepflegten kleinen Häusern und Gärten. Immer mit der wunderschönen Aussicht auf sanfte Hügel, farbenfrohe Gebäude und Weiden. Das Versprechen Jhonnies, dass es ausschließlich bergab geht, bewahrheitet sich nicht ganz. Kurz vorm Ziel müssen wir noch mal ordentlich in die Pedale treten. Gut „vorgewärmt“ kommen wir an unserem Ziel der Finca Carriel an. Hier wartet schon Besitzer „Don Carlos” auf uns. Bevor unsere Tour über die Farm startet, bekommen wir aber erst einmal einen unfassbar leckeren Eiskaffee serviert. Im Rahmen der privaten Tour, wir sind die einzigen Gäste, dürfen wir dann „unseren eigenen“ Kaffee herstellen.

Also legen wir unsere „Pflücker-Kleidung“ an und los geht´s raus auf die Plantage und rein ins Gebüsch.

Wir haben einen wirklich super interessanten Tag und durchlaufen dabei den gesamten Prozess der Kaffeproduktion. Wir erfahren viel Interessantes über die richtige Saat, die Bedeutung des Bodens, über die Erntezeiten und das Trocknen. Insbesondere die penible Auslese definiert die Qualität eines wirklich guten Kaffes wie wir lernen. Ebenso werden die, hier Spezialitäten Kaffees genannten, besten Sorten fast ausschließlich in kleinen Mengen hergestellt und gehen nicht in die Massenproduktion. Auch die Farm von Carlos hat nur eine sehr kleine Produktion. Die Leidenschaft und Begeisterung, die er für sein Produkt hegt ist ansteckend. Und so waschen, schälen, rösten und mahlen wir was das Zeug hält. Die intensive, mühevolle Arbeit lohnt sich. Es ist wirklich einer der besten Kaffees, den wir überhaupt getrunken haben. Versteht sich von selbst, dass der Rucksack nun um 500 g schwerer ist!

Für den Rückweg radeln wir zurück nach Quimbaya und laden unsere Fahrräder auf einen der Willy Jeeps. So ist der Weg bergauf, zurück nach Filandia, deutlich angenehmer und auch ein echtes Erlebnis. Die Willys sind, meistens schon etwas ältere, Geländewagen der Marke Jeep und hier in der Region das ultimative Transportmittel. Eigentlich bieten sie bis zu 10 Personen platz. In der Realität fahren aber einfach so viele Menschen und Gegenstände mit wie irgendwie geht. Man quetscht sich zusammen, fährt im Stehen, hievt Gegenstände und Taschen aufs Dach und springt hinten auf die Stosstange auf um noch mitzufahren.


 

Wir lassen’s krachen und spielen Tejo

Was macht man an einem Samstagabend in einer kolumbianischen Kleinstadt? Man lässt es ordentlich krachen und zwar beim Tejo spielen. Als wir von dieser skurrilen Nationalsportart Kolumbiens hören, wollen wir es unbedingt selbst ausprobieren. In Filandia befindet sich eine Tejohalle direkt neben unserem Hostel, was uns im Nachhinein auch die vernommenen Explosionsgeräusche erklärt. Beim Tejo, das vor 500 Jahren von indigenen Stämmen erfunden wurde, werfen die Spieler bis zu 1,5 Kilo schwere Metallpucks, die Tejos, aus einer Entfernung von fast 15 Metern durch die Luft! Ziel ist es, kleine mit Schießpulver gefüllte Päckchen zu treffen, die dann mit einem lauten Knall exoplodieren. Die Regeln sind ganz einfach. Der Tejo muss innerhalb oder so nahe wie möglich an einen Ring aus Metall landen, auf dem die Schwarzpulver-päckchen liegen. Aufgebaut wird das ganze traditionell auf einem Lehmhügel.

Das Ambiente der kleinen, schummrigen Tejo- Arena ist wie aus einem Gangster Film. Sie befindet sich im Hinterhof eines Billard-Cafés und um sie zu finden, muss man sich durchfragen. Das Licht ist schummrig, alles riecht nach Schießpulver und die, ausschließlich, anwesenden Männer schauen uns erstaunt und neugierig an, als wir die Halle betreten. Dann werden wir aber direkt willkommen geheißen und einer der Kolumbianer bringt uns unsere Tejos und erklärt uns das Spiel. Wir haben echtes Anfängerglück. Sanni vollbringt schon nach kurzer Zeit die erste Explosion, Gerriet im Laufe des Abends sogar noch drei Weitere. Wir haben unfassbaren Spaß und auch die einheimischen Spieler brechen bei jeder unserer Explosionen in lauten Jubel aus. Wobei einige der Profispieler sich schon zu fragen scheinen, wie zur Hölle es sein kann, dass zwei Gringos direkt mehrere Treffer landen.

Zu jeder Runde gehört traditionell auch ein Bierchen dazu.

Mit diesem Verzehr zahlt man gleichzeitig die Bahnmiete. Versteht sich von selbst, dass wir in diesem Punkt nichts schuldig bleiben. Um 23 Uhr ist Feierabend, denn die ständigen Explosionen stören die Nachbarn. Alle Daumen hoch! Ein super Spiel!


 

Valle de Cocora

Bevor unser Aufenthalt in der Zona de Cafetera zu Ende geht, wollen wir uns unbedingt noch den Nationalbaum Kolumbiens ansehen: die gigantischen Quindío Wachspalmen im Valle de Cocora. Mit dem Willy geht’s deshalb nach Salento und dann weiter zum Los Nevados National Natural Park.

Das Valle del Cocora ist durch die Vielzahl der hier vorkommenden Wachspalmen-Art „Palma de cera“ oder Quindio-Wachspalme berühmt geworden. Die Palmen werden bis zu 60 m hoch und zählen zu den größten der Welt. Unsere Wanderung startet im Tal entlang eines kleinen Baches, umgeben von saftig grünen Hügeln und eingebettet in mächtigen kolumbianischen Anden. Nach etwa einer Stunde verlassen wir die Wiesen- und Graslandschaft und treten ein in einen wie aus dem Nichts auftauchenden Nebelwald. Es zirpt und zwitschert überall. Wir passieren bilderbuchtaugliche Wasserfälle und immer wieder führen uns kleine, wackelige Hängebrücken über die Bäche. Fast wie in einem Märchenwald oder bei Indiana Jones, wie Gerriet findet.

Glücklicherweise hat Sanni mittlerweile ihre Hängebrücken-Phobie therapiert und so sind all die Bachüberquerungen ein echtes Kinderspiel. Langsam aber stetig führt unsere Wanderung dann steiler bergauf. Obwohl es noch gar nicht so lange her ist, dass wir ordentlich gewandert sind, merken wir, dass unsere Kondition schon wieder etwas schlechter geworden ist. Wir waren einfach zu viel in der Stadt und das Essen in Kolumbien ist auch sehr lecker! Wo wir gerade beim Essen sind: unterwegs finden wir auch die Maden wieder, die Gerriet in El Coca auf dem Weg in den Amazonas gegessen hat. Diesmal aber nicht frittiert. Wie gut, dass wir schon gefrühstückt haben.

Wir geben nicht auf und bewältigen den steilen Anstieg auf den La Montaña. Dort werden wir mit den beeindruckenden Ausblicken über das ganze Valle del Cocora, die umliegenden Berge, Täler und vor allem auf die Wachspalmen belohnt.

Am Ausgang des Parks angekommen warten schon die Willy’s auf uns und wir genießen die Rückfahrt hinten auf dem Jeep stehend. Den Wind ins Gesicht pustend geht es über Stock und Stein und holprige Strassen. Das letzte Abenteuer dieses tollen Tages mit bester Aussicht; nicht nur auf die schöne Landschaft sondern auch auf Muskelkater; in den Beinen vom Wandern und in den Armen vom Festhalten.


 




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